Übers Wochenende müssen dann mal 50.000 Feminist*innen mehr aufs Klo

INTERVIEW // Die Fotos sind von Yamila Carbajo.

Das seit 1986 jährlich stattfindende Encuentro Nacional de las Mujeres (ENM) gilt mit bis zu 70.000 Teilnehmenden und 73 thematischen Workshops als einer der größten feministischen Kongresse weltweit.  Viktoria hat dieses Jahr zum ersten Mal das Treffen mitorganisiert. In einem Interview berichtet sie über ihre Mitarbeit im Organisationsteam, von hierarchiefreier Plenumserfahrung, aber auch von polizeilicher Repression. Außerdem kommen wir auf den Namen des Kongresses zu sprechen, den viele Teilnehmende als exkludierend für nichtbinäre, genderqueere, trans-Personen und/-oder indigene Gruppen empfinden.

 

Was hat dich motiviert, den feministischen Kongress „Encuentro Nacional de Las Mujeres“ zu organisieren?

Ich bin als Künstlerin im Theaterbereich tätig. Als ich erfahren habe, dass das Treffen in Chubut stattfinden würde, blieb mir gar nichts anderes übrig, als mitzuwirken. Ich organisiere sowieso die ganze Zeit kulturelle Events und habe Spaß dabei. Mir war also sofort klar, dass ich beim Kongress mithelfen wollte.

Bezeichnest du dich selbst als Feministin?

Nein, nein – doch, doch. (lacht) Also ja und nein. Als Feministin habe ich mich nie bezeichnet, ich wollte mich nicht labeln lassen. Aber eigentlich glaube ich, dass ich Feministin bin. Und jetzt, nach dem Kongress, würde ich das wohl auch so sagen. Ich war allerdings nie in irgendeiner Partei oder Organisation aktiv, sondern betrachte mich einfach als Künstlerin. Obwohl meine Theatergruppe an sich auch politisch ist.

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Feministischer Kongress in Patagonien: Workshops, Feiern, Demos und Pinguine

Durch die Macrisi¹ war es meinen Freundinnen aus Córdoba leider finanziell verwehrt, am 33. Encuentro Nacional de Las Mujeres (ENM) teilzunehmen. Der feministische Kongress fand diesmal in der Provinz Chubut, 1.500 km von Córdoba entfernt, statt. Die Anfahrt gestalte sich demnach für viele relativ zeit- und kostenintensiv.

Also fasste ich den Entschluss, mich alleine auf die Reise Richtung Süden zu begeben. Letztendlich war ich aber so gut wie nie alleine, weder während des Kongresses, noch während meiner kleinen Touri-Reise nach dem ENM. Die ganze Reise über spürte ich eine herzliche, feministische Solidarität.

So sind auch die meisten Fotos in diesem Artikel von Yamila Carbajo aus Chubut, die ich auf dem ENM kennengelernt habe. Wir sind immer noch in Kontakt und sie hat mir freundlicherweise ihre Bilder zur Verfügung gestellt.

Für die Hinreise konnte ich mich einer selbstorganisierten feministischen Reisebusgruppe anschließen, wodurch die 20 Stundenfahrt matetrinkend bei interessanten Gesprächen wie im Flug (und nicht im Bus ;)) vergingen.

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Gedanklich zwischen Utopie, Erwartung und Realität

Noch in Berlin hatte ich regelrechte Angst davor, in Córdoba in einer Zweck-WG und/-oder in einem Mehrbettzimmer zu wohnen. Ich stellte mir vor, dass ich jedes Wochenende das lateinamerikanische Erasmus-Party-Pendant mit Reggaeton- Musik besuchen müsse, um nicht komplett zu vereinsamen. Außerdem machte ich mir Gedanken darüber, ob ich im 15. Semester nicht viel zu alt für einen Uniaustausch sei. Bestimmt würde ich nur Studis zwischen 17 und 20 Jahre kennenlernen. Nichts gegen junge Menschen, ich bin immer noch auf der Suche nach dem Stein der Weisen, um unsterblich zu werden. Aber, eine zwei an erster Stelle des Geburtsjahres, erscheint mir doch etwas komisch. Außerdem hatte ich Angst vor Übergriffen von Männern. Das habe ich zwar auch in Berlin, aber dort kann ich immerhin ein sehr vertrautes Freund*innen-Umfeld flüchten.

Meine Sorgen haben sich zum Glück nicht bewahrheitet.

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Verlängerte Semesterferien der Besetzungen

Dieses Jahr auf meine Semesterferien im Sommer verzichten? Das war mir ein ganz schöner Stein im Magen. Immerhin handelte es sich um drei Monate Uni-freie Zeit. (Das Schreiben von Hausarbeiten ist ein anderes Thema und verfolgt mich ohnehin das ganze Jahr über.) Außerdem verspricht der August in Berlin meist tolles Seewetter. Zudem gehe ich davon aus, dass im diesjährigen – der Klimawandel ist jetzt fühlbar – Jahr bestimmt auch noch im September und Oktober mit angenehmen 25 Grad an der Lieper Bucht oder dem Plötzensee zu rechnen ist.

Um möglichst viel freie, hochsommerliche Berlin-Zeit mit meinen Freund*innen ausnutzen zu können, habe ich daher meinen Flug zum spätmöglichsten Abflugtermin gebucht. Das hatte auch den Vorteil, dass ich so gar nicht erst in Versuchung kommen würde, an den Welcome-Days-For-Internationals-Students teilzunehmen. Denn die Ankündigung „Bringt alle eure Nationalflagge mit für ein abschließendes Gruppenfoto“, klang für mich ziemlich abschreckend. Am Sonntag den 5. August landete ich dann also, dank Tavor trotz 2-maligem Umsteigen, sehr entspannt und ausgeruht in Córdoba. Bereits am nächsten Tag sollte die Uni losgehen.

Gleich nach meiner Ankunft, beim Frühstück mit meinen neuen Mitbewohnerinnen, erfuhr ich jedoch, dass die erste Woche keine Uni stattfinden würde. Grund dafür sei ein Streik der Dozierenden.  Das war für mich zum Ankommen natürlich erstmal praktisch. Was für mich meine gewünschte Uni-freie Zeit war – wenn auch keine Sommerferien, sondern Winterferien, obwohl das bei momentanen 30 Grad tagsüber eurer eigenen Definition überlassen ist – ist für die Menschen hier der Kampf um akzeptable Arbeitsbedingungen und die Verteidigung der freien Bildung.

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Bienvenides

Freut mich, dass du hier gelandet bist!

Ich habe vor, hier ein wenig über meinen Aufenthalt in Córdoba, Argentinien zu schreiben. Für alle, die sich über die Zahl 5000 gewundert haben, dabei handelt es sich um die Postleitzahl meines momentanen Wohnortes.

Mit 16 hatte ich mal ’ne Kolumne bei einer lokalen Zeitung. Damals hab ich über meinen Schüler*innenaustausch in Mexiko geschrieben. Deswegen dachte ich, es wäre cool,  zehn Jahre später nochmal so was wie eine eigene Kolumne haben. Nur diesmal anstatt für meine Oma und den*die bayrische*n Zeitungsleser*in, für meine Freund*innen.

Das ist mein allererster Blog überhaupt und das erste Mal, dass ich auf der Südhalbkugel (hemisferiosur) gelandet bin. Und ich kann euch sagen: Falls ihr von Lisa und Bart Simpson gelernt haben solltet, dass das Wasser beim Klospülen auf der südlichen Halbkugel andersrum abfließt; das stimmt gar nicht! Andere zufällige Faktoren übertreffen die Corioliskraft in dem Fall um ein Vielfaches. Allerdings wehen hier die Tief- und Hochdruckgebiete tatsächlich andersherum. Und der Mond kommt mir so liegend vor. Ansonsten finde ich es cool, dass die Menschen nicht bei Amazon bestellen, sondern in den Laden nebenan gehen. Einkaufen ist hier ein bisschen wie Dorf, nur netter. Ein weiterer Vorteil ist, ich kann auf Netflix mir vorher unbekannte Serien streamen, ganz ohne VPN-Client.

Bin selber gespannt, über was ich so schreiben werde. Ich denke, es wird so in die Richtung Persönliches, Riot, Reisen und Feminismus gehen.

Leider hab ich nur die Free-Version von WordPress, weswegen ich keine Plugins benutzen kann, sonst sähe der Blog natürlich noch besser aus. Sponsor*innen meldet euch!